Ejakulationsstörungen beim Mann

Definition – was versteht man unter Ejakulationsstörungen? Welche Arten gibt es?

Unter dem Begriff Ejakulationsstörung werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, welche Probleme beim Samenerguss hervorrufen. Eine der häufigsten Ejakulationsstörungen ist der vorzeitige Samenerguss, dabei kommt es beim Geschlechtsakt fast unmittelbar nach der Penetration zur Ejakulation. Da Männer, die unter vorzeitigen Samenergüssen leiden, häufig keinen Arzt aufsuchen, kann die Häufigkeit dieser Störung nur schwer abgeschätzt werden. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass etwa ein Viertel der männlichen Bevölkerung von vorzeitigen Samenergüssen betroffen ist.

Das gegenteilige Beschwerdebild liegt bei der verzögerten Ejakulation vor. Es handelt sich dann um eine verzögerte Ejakulation, wenn es für einen Mann, trotz ausreichender Stimulierung, sehr schwer ist, zum Orgasmus zu kommen. Während Männer, die an einer verzögerten Ejakulation leiden nach langer Stimulierung zum Orgasmus kommen, bleibt der Orgasmus bei der Anorgasmie aus. Eine spezielle Form dieser Erkrankung ist die intravaginale Anorgasmie, dabei kann der Betroffene durch Masturbation zum Orgasmus kommen, jedoch nicht durch Penetration der Vagina einer Frau.

Nicht zu verwechseln ist die Anorgasmie, bei der es sich um ein Orgasmusproblem handelt, mit der Anejakulation. Die Anejakulation ist dadurch charakterisiert, dass der Samenerguss ausbleibt, der Betroffene aber in vielen Fällen den Höhepunkt erreicht. Sowohl die Anejakulation als auch die totale Anejakulation, bei welcher der ejakulationsauslösende Mechanismus vollständig unterbrochen ist, haben meist körperliche Ursachen. Ausschließlich körperlich bedingt ist die retrograde Ejakulation. Bei dieser Erkrankung erfolgt der Samenerguss rückwärtig, also in die Blase.

Was sind Ursachen und Auslöser?

Es gibt verschiedenste Ursachen, die zu einer Störung des Samenergusses führen. Die Anejakulation und die retrograde Ejakulation sind stets Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung. Bei beiden Störungsbildern kann eine Verletzung des Rückenmarks, eine Querschnittsläsion oder eine Querschnittslähmung, das Problem verursachen. Eine retrograde Ejakulation kann auch durch einen operativen Eingriff wie einer Prostata-Resektion hervorgerufen werden. Bei einer totalen Anejakulation liegt meist eine Schädigung der Nerven vor, welche bei der Ejakulation eine Rolle spielen. Erkrankungen wie Multiple Sklerose können mit diesem Symptom einhergehen. Nicht zu unterschätzen bei der Entstehung einer Störung des Samenergusses ist eine Diabeteserkrankung.

Obwohl einige Ejakulationsstörungen körperliche Ursachen haben, ist der Großteil der Beschwerdebilder psychisch mitbedingt. Häufig kann auch nicht eindeutig festgestellt werden, ob die Ursachen körperlicher oder psychischer Natur sind. Eine vorzeitige Ejakulation ist in vielen Fällen psychisch bedingt; Auslöser können Angst vor Zurückweisung oder großer Stress sein. In manchen Fällen kommt es aufgrund der Einnahme bestimmter Medikamente zu einer frühzeitigen Ejakulation. Eine verzögerte Ejakulation oder Anorgasmie liegt nicht selten in unbewussten Ängsten begründet.

Wie äußern sich die verschiedenen Ejakulationsstörungen?

Die Symptome einer Ejakulationsstörung sind von der Art der Störung und der zugrunde liegenden Krankheit abhängig. Sind die Ursachen psychisch, dann leiden Betroffene häufig unter Ängsten, etwa der Angst vor einer Schwangerschaft oder allgemeinen Versagensängsten. Bei Ejakulationsproblemen können die Symptome vom völligen Ausbleiben des Orgasmus und der Ejakulation bis zu einem zu früh stattfindenden Samenerguss reichen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, welche die Entstehung einer Ejakulationsstörung begünstigen. Dazu gehören unter anderem Harnwegsinfekte, Diabetes mellitus und Übergewicht. Außerdem steigt das Risiko unter Problemen beim Samenerguss zu leiden mit dem Alter. Auch Operationen im Bereich des Beckens bzw. der Prostata sowie Verletzungen des Rektums stellen Risikofaktoren dar. Menschen, welche unter einer Erkrankung des Nervensystems leiden, weisen ebenso ein erhöhtes Risiko für Orgasmusprobleme und Ejakulationsstörungen auf.

Was können betroffene Männer tun?

Betroffene Männer sollten bei Ejakulationsstörungen zuallererst das Problem analysieren und mögliche psychische Ursachen wie Stress und Erwartungsdruck in Betracht ziehen. In vielen Fällen ist es auch hilfreich, die Probleme mit dem Partner bzw. der Partnerin zu besprechen. Bei vorzeitigem bzw. verzögertem Samenerguss kann es hilfreich sein, die Kontrolle des Orgasmuszeitpunkts besser beherrschen zu lernen. Dies kann zum Beispiel während der Masturbation geübt werden.

Bleiben die Beschwerden jedoch bestehen, hilft nur der Gang zum Facharzt. Grundsätzlich sollten Männer einen Facharzt aufsuchen, wenn die Probleme mit dem Samenerguss anhalten und nicht nach kurzer Zeit von selbst weggehen. Ein Arzt sollte auch dann aufgesucht werden, wenn die Ursache für das Orgasmusproblem vollkommen unklar ist und nicht in Verbindung mit aktuellen Belastungen und Stress gesetzt werden kann.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Ejakulationsstörungen und Orgasmusprobleme, seien sie nun psychisch oder körperlich bedingt, können in der Regel gut behandelt werden. Beim vorzeitigen Samenerguss hat sich die Einübung spezieller Techniken im Rahmen einer Sexualtherapie als sehr effektiv erwiesen. Dabei lernen betroffene Männer den Zeitpunkt des Orgasmus besser zu steuern. Da der vorzeitige Samenerguss häufig psychische Ursachen hat, kann eine Paar- oder Psychotherapie notwendig sein, um das Problem zu beheben.

Die Einnahme von Serotonin-Antagonisten, welche die Rezeptoren für Serotonin blockieren, ist bei vorzeitigem Samenerguss eine vielversprechende Therapie. Es gibt auch spezielle Salben, welche angewendet werden können, diese wirken leicht betäubend, wodurch die Empfindsamkeit herabgesetzt wird und damit meist auch die Zeit bis zur Ejakulation verlängert wird. Liegt ein retrograder Samenerguss vor, kann dieser medikamentös behandelt werden. Arzneimittel wie Midodrin sorgen dafür, dass der Blasenhals bei der Ejakulation verschlossen wird und die Samenflüssigkeit so nur den Weg aus dem Körper hinaus nehmen kann.

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