Schluckauf: Ursachen, Symptome und erfolgreiche Gegenmaßnahmen

Was ist Schluckauf?

Schluckauf, in der medizinischen Fachsprache Singultus genannt, ist ein ruckartiges und unwillkürliches, in den meisten Fällen vorübergehendes Zusammenziehen der inspiratorischen Muskulatur, also jenen Muskeln des Zwerchfells, die am Einatmen maßgeblich beteiligt sind. Schluckauf wird umgangssprachlich als „Hicksen“ bezeichnet, was sich auf das rhythmische Geräusch bezieht, das die Betroffenen dann von sich geben.

Bis heute konnte nicht gänzlich erforscht werden, ob und in welchem Ausmaß Schluckauf in physiologischer Hinsicht eine bestimmte Aufgabe erfüllt. Wissenschaftler vermuten, dass es sich dabei lediglich um ein Relikt aus der pränatalen Lebensphase handelt, denn im Mutterleib ist das Hicksen des Ungeborenen eine notwendige Maßnahme, um für die Zeit nach der Geburt die Atmung zu trainieren. Föten hicksen wissenschaftlichen Theorien zufolge auch deshalb in regelmäßigen Abständen, damit die Flüssigkeit, die das Ungeborene in der Fruchtblase umgibt, nicht in die Luftröhre gelangen kann. Nach der Geburt ist Hicksen rein medizinisch betrachtet vollkommen überflüssig. Dennoch tritt Schluckauf bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen und –monaten mitunter täglich mehrere Male auf, und auch bei Kindern ist häufiges Hicksen nichts Ungewöhnliches oder gar ein Grund zur Besorgnis.

Im Erwachsenenalter ist vorübergehender Schluckauf zwar lästig und bisweilen auch unangenehm, jedoch selten mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen verbunden. Nur wenn ein Singultus über mehrere Tage anhält und von weiteren Symptomen begleitet ist, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen, um eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen.

Mögliche Ursachen von Schluckauf

Wie bereits erwähnt, liegen dem Hicksen krampfartige und unkontrollierbare Kontraktionen der Zwerchfellmuskulatur zugrunde. Dies verursacht ein plötzliches Einströmen von Atemluft. Gleichzeitig verschließt sich die Stimmritze und die Atemluft prallt dagegen, wodurch das charakteristisch laute Geräusch entsteht. Im Normalfall sind die Bewegungen der flachen Zwerchfellmuskulatur, die zwischen der Brust und der Bauchhöhle lokalisiert ist, steuerbar. Wenn sich das Zwerchfell zusammenzieht, vergrößert sich das Volumen in der Brusthöhle, wodurch Atemluft in die Lungen einströmen kann. Kommt es zu einer Reizung des sogenannten Nervus phrenicus, der Impulse vom Gehirn zum Zwerchfell weiterleitet, wird Schluckauf ausgelöst.
Da der Nervus phrenicus über eine vergleichsweise lange Bahn an mehreren Organen vorbeiläuft, sind Reizungen an mehreren Körperstellen möglich. Warum es genau dazu kommt, kann bis heute nicht wissenschaftlich erklärt werden. Da deutlich mehr Männer gelegentlich unter Schluckauf leiden als Frauen, werden hormonelle Faktoren vermutet. Auch für viele Schwangere wird neben Sodbrennen auch regelmäßiger Schluckauf ein lästiger Begleiter.

In den meisten Fällen werden die unwillkürlichen Kontraktionen der Zwerchfellmuskulatur von bestimmten Lebensgewohnheiten ausgelöst. Der Konsum großer Mengen an Alkohol gilt als eine der am weitesten verbreiteten Auslöser. Viele Menschen machen während einer langen und durchzechten Partynacht unangenehme Bekanntschaft mit Schluckauf. Ebenso kann es durch hastiges Trinken, zu schnelles Essen oder den Konsum kalter, sehr scharfer oder zu heißer Getränke und Speisen zu Singultus kommen. Stress und Nervosität sowie starkes Rauchen zählen ebenso zu den Risikofaktoren. Nur in sehr seltenen Fällen wird der Schluckauf durch ernsthafte Erkrankungen im Bereich der inneren Organe oder durch Verletzungen, Infektionen oder Blutungen bedingte Schädigungen des Gehirns verursacht.

Symptome und Ausprägungen von Schluckauf

Mit den charakteristischen Symptomen eines Schluckaufs machen die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens hin und wieder Bekanntschaft. Durch das Zusammenziehen kommt es zum Hicksen, das mit einem kurzen, ruckartigen und sehr lauten Geräusch verbunden ist. Zwischen den einzelnen Kontraktionen liegen in der Regel nur wenige Sekunden, manchmal können aber auch Minuten vergehen. Im Normalfall dauert akuter Schluckauf nur einige Minuten an und verschwindet so spontan, wie er gekommen ist. In seltenen Fällen kann sich aber auch ein chronischer Schluckauf entwickeln, der mehrere Tage oder sogar Wochen und Monate andauert und in regelmäßigen Abständen ohne ersichtlichen Grund wiederkehrt.

Für die Betroffenen kann ein chronischer Schluckauf zu einer erheblichen psychischen Belastung werden, da er im sozialen Umgang, im Berufsleben und im allgemeinen Alltagsleben zu Beeinträchtigungen führt. Neben den seelischen Auswirkungen sind auch negative Folgen auf die Atmung problematisch, da das ständige Hicksen über einen längeren Zeitraum die Sauerstoffzufuhr reduzieren kann. Manche Menschen leiden unter schweren Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit, wenn der chronische Schluckauf auch in der Nacht wiederholt auftritt. Schwere Depressionen, Erschöpfungszustände und die Unfähigkeit, das tägliche Leben zu meistern, sind in solchen Ausnahmefällen die Folge.

Maßnahmen gegen akuten Schluckauf

Im Normalfall gibt sich akuter Schluckauf auch ohne gezielte Gegenmaßnahmen schnell wieder, wenn sich die Zwerchfellmuskulatur von selbst entspannt. Dennoch kennen die meisten Menschen kleine Tricks, die den Schluckauf schneller beenden, wobei die Wirksamkeit dieser Maßnahmen nicht wissenschaftlich bewiesen oder genau erklärt werden kann. Alle gängigen Tricks, die Menschen gegen Schluckauf anwenden, führen jedoch zur Ablenkung des Betroffenen, die eine Reizung des Parasympathikus und dadurch eine Entspannung der Zwerchfellmuskeln begünstigt.

Gezielte Ablenkung des Betroffenen durch Mitmenschen gilt als eine besonders effiziente Maßnahme gegen Schluckauf. Die Frage, was der Hicksende in den letzten Tagen gegessen hat, ihn zu erschrecken oder ihn in ein interessantes Gespräch zu verwickeln, sind immer einen Versuch wert. Um dem Schluckauf-Geplagten schnelle Erleichterung zu bringen, ist der Einfallsreichtum seiner Mitmenschen gefragt. Viele Betroffene berichten allerdings davon, dass schon das Trinken von kaltem Wasser oder einer kleinen Menge Essig dem Schluckauf entgegenwirkt. Andere Menschen kontrollieren das Hicksen, indem sie ein Stück Brot oder Zucker essen, aus vollem Halse singen oder sich mit den Fingern gleichzeitig Ohren und Nasenlöcher zuhalten, während sie die Atmung anhalten. Zeigen diese bewährten Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg, kann durch eine Massage eine Entspannung und Ablenkung des Betroffenen erzielt werden, wodurch sich allmählich auch das Zwerchfell wieder beruhigt.

Chronischer idiopathischer Singultus, also lang anhaltender Schluckauf, für den keine organische Ursache gefunden werden kann, wird erfolgreich mit gezielten Atemübungen oder im Zuge einer Verhaltens- und Entspannungstherapie behandelt. Liebevolle Maßnahmen zur Entspannung sind übrigens auch ein probates Mittel, um Schluckauf bei Säuglingen zu stoppen. Gestillte Babys, die hicksen, werden einfach erneut an die Brust angelegt, wodurch sich der Schluckauf meist innerhalb von einer Minute gibt. Ein angenehm warmes Kirschkernkissen auf dem Bäuchlein, eine sanfte Fußmassage und das berühmte Bäuerchen über der Schulter haben sich bei frühkindlichem Schluckauf ebenso erfolgreich bewährt.

Notwendigkeit einer ärztlichen Konsultation

Wenn der Schluckauf länger als einen Tag anhält, vor allem, wenn auch noch begleitende Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Sodbrennen hinzukommen, sollte mit einem Besuch beim Hausarzt nicht lange gewartet werden. In seltenen Fällen weist anhaltender Schluckauf nämlich auf eine ernsthafte Erkrankung hin, die eine Behandlung notwendig macht. So kann beispielsweise eine Magen-Darm-Erkrankung wie ein Magengeschwür, ein Reflux oder eine Gastritis Auslöser des Schluckaufs sein. Treten begleitend Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Lähmungserscheinungen oder Sehstörungen auf, muss dies als Anzeichen für einen Schlaganfall gewertet werden.

In sehr seltenen Fällen kann Schluckauf auch ein Symptom einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus oder einer Hormonstörung sein. Chronischer Singultus in Kombination mit Gewichtverlust, Müdigkeit oder Schwellungen kann auf eine Tumorerkrankung hindeuten. In solchen Fällen besteht die erfolgreiche Therapie des Schluckaufs einzig und alleine in einer gezielten und umfassenden Behandlung der vorliegenden Grunderkrankung.

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